Erhalte mich liebenswert 

O Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich aber nicht grüblerisch, hilfreich aber nicht diktatorisch zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade,   sie nicht ständig weiterzugeben –
aber du verstehst –  Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu, und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht die Gabe zu erflehen, mir Leidensberichte anderer mit Freude anzuhören,
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.


Erhalte mich so liebenswert wie möglich.


Ich möchte keine Heilige sein – mit ihnen lebt es sich so schwer-  

aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,
und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe es ihnen auch zu sagen.

Teresa von Avila  (1515 – 1582 )
Gründerin des Karmeliterordens, Mystikerin

P. S.   Dieses wundervolle Gebet der Teresa von Avila habe ich trotz vieler Platten-Crashs über die Jahrzehnte hinüber gerettet.  Wann immer es mir wieder in die Hände fällt, ermahnt es mich zur Neubesinnung.   Vielleicht ist es ja auch für den einen oder anderen Leser interessant?    Im Blog habe ich hier noch ein herrliches Gedicht von der Heiligen Teresa zitiert:

http://kopfstaendler.blog.de/2013/05/08/wunder-gibt-immer-muttertage-15885569/

————-

x

Advertisements