Die Koffer waren gepackt, wir waren abreisefertig. Es sollte nach Versailles gehen, zu einer ungewöhnlichen Hochzeit.

Mein Mann wollte von dort für eine Woche nach Dänemark zum Symposium fliegen, seine Mutter und ich wollten Museen und Kirchen in Paris besuchen.

Da kam der Anruf von Françoise. Sie teilte uns mit, dass die Tochter unserer besten Freunde an einer bösen Form des Blutkrebses erkrankt sei. Wir wussten, dass man sie bereits 3 Monate lang an etlichen Organen operiert hatte. Aber in unserem kritiklosen Vertrauen auf ärztliche Kunst, hatten wir keine großen Bedenken.

Der Blinddarm war raus, Magen-OP brachte keine Linderung, die Nieren hatten ihren Dienst versagt. Aber jetzt auch noch ein Blutkrebs zu einer Zeit, als Chemo zwar die Gazetten bereits mit Wundermeldungen überfluteten, aber noch nicht allgemein verfügbar war? Wie sollte das wohl gehen?

Die Eltern waren Tag und Nacht in der Uni-Klinik bei ihrer Tochter. Die Aussichten schienen hoffnungslos.

Diese Nachricht traf uns zutiefst und das Gefühl der Hilflosigkeit wuchs mit jedem Gedanken an unsere Freunde. Die Reise nach Paris verlief in entsprechend gedrückter Stimmung.

Die Hochzeitsfeier in Versailles hätte schön sein können, wären nicht in meinem Herzen alle Widerspruchsgeister erwacht und rebellierten. Als vermeintliche Atheistin zu der Zeit fand ich es erstaunlich, wie sehr ich Gott und alle seine Heiligen beschimpfte.

Wann immer ich eine Kirche betrat, haderte ich mit Gott und rebellierte aus tiefem Herzen wegen der Ungerechtigkeit einem jungen Mädchen und seinen Eltern gegenüber. Kurz: Ich war außer mir.

Am vorletzten Tag der Heimreise  kamen wir am Nachmittag zur Kirche Saint Étienne du Mont mit ihrem berühmten Mamorlettner, erbaut 1491 bis 1626. In der ersten Chorkapelle steht der leere Sarg der Heiligen Genoveva. Originale Teile des Sarkophags aus dem 6. Jahrhundert sind im Reliquienschrein enthalten.

Als um 450 der Hunnenkönig Attila gegen Paris zieht, soll der Legende nach die Nonne Ste-Geneviève durch ihr Gebet und Zuspruch die Stadt Paris gerettet haben und wird zur Schutzpatronin von Paris.

Nun sitze ich im frühen Sommer 1973 neben dem leeren Sarg der Heiligen Geneviève und rebelliere gegen Gott und seine Heiligen und die schwachsinnigen Menschen, die solchen Unfug glauben.

Und dann geschieht etwas Eigenartiges: Ich wende mich an die Heilige in einem Gebet. Die Form des Gedankens ist frech und ungestüm: Heilige Geneviève, wenn es Dich je gab und Du Paris erretten konntest, dann bitte bei dem, den ich nicht anbeten kann, um das Leben dieses Kindes, das vermutlich gerade stirbt.

Ich versprach, dass ich die Inhalte der großen und kleinen Religionen studieren werde. Dann fiel mir unser Familienclan ein, der total unversorgt und von meinem Mann abhängig war. Und ich bat um ein Einkommen, unseren familiären Verpflichtungen gerecht werden zu können. Denn ein Teil meiner Zeit würde für die Studien benötigt werden.

Ich versprach, nach angemessener Zeit Zeugnis abzulegen über das, war mir die Zukunft bringen würde und bei entsprechendem Ausgang über das erhoffte Wunder.

Ja, so unverschämt war mein Anspruch, so wild waren meine Gedanken! Der Aufruhr in meinem Herzen war unbändig. In erster Linie wollte ich, dass das Kind unserer Freunde geheilt werden würde.

Als ich mich von dem Sitz neben dem Sarkophag erhob und zum Ausgang wollte, um die Mutter meines Mannes abzuholen, die ich in der hintersten Bank allein gelassen hatte, geschah etwas so Wunderbares, dass ich darüber für mehr als 4 Jahre zu niemand sprechen konnte. Es war zu heilig! (Der erste war mein Mann, dem ich mich nach mehr als 4 Jahren anvertraute).

Ein Gefühl tiefsten Friedens und unendlicher Liebe hüllte mich ein. Und alles Wissen der Welt wurde mir zuteil. Das Wissen, was diese Welt im Innersten zusammenhält.

Und unhörbare Worte drangen in meine Seele: “Warum regst Du dich so auf? Alles was geschieht, ist gut! Tod oder Leben, wo ist da der Unterschied?”

Wielange ich im Mittelgang stand, weiß ich nicht. Die Zeit schien still zu stehen. Der Frieden blieb in mir. Das Wissen verflog. Es sollte erst durch die versprochenen Studien zurückkommen. Und die Richtschnur über die Korrektheit dieses Wissens war das Gefühl meines Erlebnisses in der Kirche. Ich fühlte intuitiv, wenn das Wissen gut für mich war – und wann eben nicht.

Die Ärzte sprachen in der Uniklinik von einem Wunder, als die 5 Jahres-Frist vorüber war. Die Tochter (und mit ihr die Familie)hatten unter der damals noch nicht genau bestimmbaren Auswirkung der Chemotherapie unendlich gelitten. Als ich vorsichtig versuchte, auf eine möglicherweise auch göttliche Heilung hinzuweisen, wurde ich wütend verlacht.

Die Eltern hatten ihren Gottesglauben verloren. Sie sind nach wie vor wunderbare Menschen und Eltern. Aber ein Seelenleben lassen sie nicht mehr gelten.

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Als ich im Dezember letzten Jahres aus einem 8stündigen Koma zurückkam, fragte ich mich, welche Aufgabe in meinem Leben ich vergessen hatte.

Ich hatte so sehr gegen die Kriege und Ungerechtigkeit in der Welt angekämpft, mit allen meinen Beiträgen im Blog. Und vergaß darüber das Wunder, das ich verkünden wollte. Es ist überfällig, davon zu berichten. Und so lege ich es zum 1. Advent 2013 jedem ans Herz, darüber nachzudenken, was Jesus Christus in unserem Leben bedeutet.

Dies ist kein Eia-Popeia des Himmels, wie viele es lächerlich benennen. Es ist die einzige Chance, unser Leben unabhängiger von den satanischen Einflüssen zu gestalten.

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