Die Zauberflöte, ein Singspiel – Zarathustra zur Ablenkung:

“Jetzt bin ich leicht,
jetzt fliege ich,
jetzt sehe ich mich unter mir,
jetzt tanzt ein Gott durch mich”.

Nietzsche

——————–

http://www.srf.ch/kultur/im-fokus/weltklasse-sommerkonzerte/drei-hoellenhunde-fuer-bregenz
———————
Hier folgt die gesamte Oper:

http://tvthek.orf.at/topics/Kultursommer%202013/6341347-Die-Zauberfloete/segments/6341349-Die-Zauberfloete

Nach einer kurzen Einführung zu den Bregenzer Festspielen am und über dem Bodensee 2013 auf der Seebühne kann man hier die gesamte Inszenierung anhören und natürlich sehen. Es ist viel verdeckte Symbolik enthalten, die der Oper einen völlig anderen gefühlsmäßigen Hintergrund gibt.

Die Technik macht’s möglich. Die 3 Damen mit Avatarmasken sind natürlich nicht auf den Ungeheuern zu finden, weil sie an anderem Orte singen, dann aber ihre Stimmen genau von den Figuren herkommen. Über alledem wachen 3 grauenhafte, riesige Hundedrachen aus dem schamanischen Reich : Höllenhunde!

Auch die 3 Knaben mit ihren überdimensionierten Pappköpfen singen nicht vor Ort. Die Stimmen kommen elektronisch hinüber und zurück von den Knabendarstellern in Richtung Publikum.

Bislang habe ich die Zauberflöte auf verschiedenen Opernbühnen als hehres Operngebilde erlebt, auch die damalige Zauberflöte in Bregenz im Jahr 1986. Immer ging es um den Fortschritt der Menschheitsentwicklung.

Sarastro als großer Katalysator solcher humanistischen Ideen, die ihre Grundlage aus dem luziferischen Reich der Freimaurer erhalten. Misogyn und rassistisch.

Diese Aufführung wird der Sache gerecht: 3 Höllenhunde bewachen statt der üblichen Logendarstellung den Tempel. Tempel? Gibt es nicht – ist er möglicherweise zum Saustall verkommen? Skulls and Bones? Auch die Heiligen Hallen, wo Mensch den Menschen liebt, gibt es in dieser Aufführung nicht mehr. Der zweite Teil der Arie zeigt schöne Worte, die aber nicht mit Sarastros Taten übereinstimmen.

Nun ist in den letzten 2 Dekaden in der Welt durch teuflisch geleitete Finanziers und Politiker so viel Schlechtes passiert, dass wir auch den angeblich wohlmeinenden Freimaurern scharf auf die Finger schauen und gegebenfalls auch klopfen müssen. Will uns das diese Form der Inszenierung lehren?

Etliche bekannte Musikszenen folgen und dann sehen wir nach etwa 60 Minuten den Auftritt Sarastros. Ihm fehlen die edlen Gesten und Handlungen, die wir normalerweise mit dieser Rolle verbinden. Er erinnert an den brünftigen Hirsch der Alten Völker – Betanezauber. Aber auch als Herrscher im Imperium Spiderman’s.

Er hört sich Paminas Anklage wegen der sexuellen Nötigung durch Monostatos an. Dessen bizarrer Lendenschurz zeigt seine Begierden sehr deutlich. Woran erinnert er mich nur: Ja, Bonga-Bonga – Berlusticoni/gung !

Diesem Schwarzen verordnet dieser angeblich dem Humanismus ergebene Sarastro “77 Sohlenstreich”. Keine Weisheitslehre für den Krieger? Heranführung ans Licht? Fortan läuft Monostatos mit blutbeschmierten Fußverbänden durch die Handlung. – Nicht dass er mir leid täte, aber das passt doch nicht zu uns Gutmenschen !
Kein Wunder, wenn er trotz aller irdischen Triebe sich später aus Rache der Gegenpartei anschließt.

Ist es Edelmut von Sarastro oder die Erkenntnis, dass er niemals Pamina für sich gewinnen kann? Er gibt in diesem Punkt seine Wünsche auf, aber noch nicht sofort: “Zur Liebe will ich dich nicht zwingen, doch geb’ ich dir die Freiheit nicht!” Dann legt er seine Betane-Hirsch-Montur ab, den alten Teil des Fruchtbarkeitsritus.

Hier ist offensichtlich, dass diese Oper auf ganz alte Kulturkreise Bezug nimmt. Und auch auf den ewigen Geschlechterkampf zwischen Mann und Weib. Die Arie der Königin der Nacht (der matriarchalischen Macht) weist auf diesen Zwist hin, den wir bis heute nicht überwunden haben, wenn es um Machtfragen geht.

Die Männer ziehen sich gerne in ihre Herrenclubs, Freimaurerzeremonien, ins Priestertum zurück. Sie scheuen das Weib, sobald es der Kindheit entwachsen ist. Dann gilt sie ihnen bestenfalls als Aushängeschild, als Lustobjekt, als Dirne. Jedenfalls verächtlich. Darum wohl auch die sexuelle Gier nach kleinen Mädchen. Pamina wirkt in ihrem Kleid hinreißend kindlich-naiv.

Die alten Kulturen legten größten Wert auf die Jungfräulichkeit ihrer Priesterinnen. Richtiges Frauentum hat die Männer immer erschreckt.

Durch die Teilnahme Paminens an der Einweihungszeremonie zeigt uns die Schlußszene das gleichberechtigte Paar Tamino-Pamina, die Liebe gekennzeichnet durch den Regenbogen. Der Sieg über eine alte gesellschaftliche Struktur?

Warten wir es ab, so leicht werden Menschen nicht menschlich. Bislang sperren sie lieber über eine Frauenquote den weiblichen Teil in ein Teilreservat ihres Herrensystems. Die daraus vorgebliche Bewunderung ist eigentlich Verachtung. Darum bin ich gegen Frauenquoten.

Vielleicht zeigt uns eine künftige Inszenierung der Zauberflöte in weiteren 27 Jahren über dem Bodensee, wie die Sache ausgeht. Hoffen wir, dass der Bodensee bei der kriegerischen Haltung der Menschen dann überhaupt noch existiert.

Dann können alle singen: Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht…… Das singt Sarastro in dieser Inszenierung und liegt dabei als Krüppel mit Krücke am Boden. Es gibt einfach keine Gewinner…. Sollte es auch nicht geben, denn Sarastro verkörpert den Lichtanbeter – Verehrer Luzifers.…..

Wer noch ein wenig Nietzsche lesen mag, hier ist noch mehr:

Text aus Zarathustra, um den es ja als Sarastro in dieser Oper geht, nur eben anders, als wir das auf der Opernbühne erleben: Von Luzifer – zum Mensch – zum Pöbel ?

“Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen, und jetz wird er gar noch Pöbel.

Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.

Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber dazu mußt du lange Beine haben. Sprüche sollen Gipfel sein: und die, zu denen gesprochen wird, Große und Hochwüchsige.

Die Luft dünn und rein, die Gefahr nahe und der Geist voll einer fröhlichen Bosheit: so paßt es gut zueinander.

Ich will Kobolde um mich haben, denn ich bin mutig. Mut, der die Gespenster verscheucht, schafft sich selber Kobolde, ? der Mut will lachen.

Ich empfinde nicht mehr mit euch: diese Wolke, die ich unter mir sehe, diese Schwärze und Schwere, über die ich lache ? gerade das ist eure Gewitterwolke.

Ihr seht nach oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin.

Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?

Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.

Mutig, unbekümmert, spöttisch, gewalttätig ? so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib und liebt immer nur einen Kriegsmann.

Ihr sagt mir: »das Leben ist schwer zu tragen.« Aber wozu hättet ihr vormittags euren Stolz und abends eure Ergebung?

Das Leben ist schwer zu tragen: aber so tut mir doch nicht so zärtlich! Wir sind allesamt hübsche lastbare Esel und Eselinnen.

Was haben wir gemein mit der Rosenknospe, welche zittert, weil ihr ein Tropfen Tau auf dem Leibe liegt?

Es ist wahr: wir lieben das Leben, nicht, weil wir ans Leben, sondern weil wir ans Lieben gewöhnt sind.

Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.

Und auch mir, der ich dem Leben gut bin, scheinen Schmetterlinge und Seifenblasen und was ihrer Art unter Menschen ist, am meisten vom Glücke zu wissen.

Diese leichten törichten zierlichen beweglichen Seelchen flattern zu sehen ? das verführt Zarathustra zu Tränen und Liedern.[307]

Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.

Und als ich meinen Teufel sah, da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich; es war der Geist der Schwere ? durch ihn fallen alle Dinge.

Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man. Auf, laßt uns den Geist der Schwere töten!

Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen. Ich habe fliegen gelernt: seitdem will ich nicht erst gestoßen sein, um von der Stelle zu kommen.

Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich, jetzt sehe ich mich unter mir, jetzt tanzt ein Gott durch mich.

Also sprach Zarathustra.”

Advertisements