Krake Krankenhaus – Teil 2

Nachdem ich mich also auf eigenes Risiko um 14 Uhr des 20. Dezember 2012 vom Krankenhaus verabschiedet hatte, suchte ich nach einem unabhängigen Arzt, der einen fremden Besucher aus Europa mit notwendigen Antibiotika versorgen würde.

Ich hatte meinen heimischen Hausarzt gebeten, mir ein Rezept zuzuscannen, was auch innerhalb weniger Minuten bei mir war. Drei Apotheken jedoch lehnten ein Rezept aus Europa ab. Nur amerikanische Verordnungen dürfen ausgehändigt werden.

Der Witz ist natürlich, dass man aus Kanada diese Antibiotika nach 4 – 5 Tagen Lieferzeit per Post auch erhalten kann. Daran stört sich dann kein Zoll. Aber das schien mir zeitlich zu lang und ungewiss, zumal die Feiertage dazwischen kamen.

Und dann begriff ich endlich die Einschränkungen der amerikanischen Krankenhaus- und Gesundheitspolitik. Wer sich dem Standard der Rockefellers entzieht, die die Krankheitsindustrie von der Wiege bis zur Bahre organisiert haben, hat keine Chance, überhaupt behandelt zu werden. Es gibt kaum noch freie Ärzte, die den Kotau vor dieser Institution nicht ausführen. Wenn immer ich glaubte, einen freien Arzt gefunden zu haben, verwies man mich auf 9/11, den Krankenhaus-Notruf. Aber ich wollte nicht schon wieder zurück in die gleiche Falle, der ich gerade entkommen war.

Wir können uns das in Europa noch nicht vorstellen, aber mit der Privatisierung der kleineren Krankenhäuser haben wir diesen Weg bereits eingeschlagen.
In spätestens 5 Jahren werden wir das alle merken, bei erhöhten Kosten natürlich.

Zitate aus „Sklaven ohne Ketten“:

Und wie steht es um die ärztliche Versorgung? Viele Krankenhäuser darben so dahin, dass das deutsche Ärzteblatt 2006 davon ausging, dass in den nächsten Jahren ein Viertel von ihnen schließen muss. Im November 2008 ging die Unternehmensberatung McKinsey sogar davon aus, dass ein Drittel der deutschen Krankenhäuser die nächsten Jahre nicht überleben wird. Einige können sich das Druckerpapier für den Ausdruck der Analysewerte nicht mehr leisten. Über alle deutschen Krankenhäuser sollen 30% der Bettenkapazität abgebaut werden, was der Schließung von über 100 Krankenhäusern entspricht.[47]

Krass, Karlheinz (2012-07-13). Sklaven ohne Ketten: Die Bürger im Westen vor der nächsten Revolution (German Edition) (Kindle Locations 308-313). . Kindle Edition.

Und auch den Ärzten in den kleinen Praxen geht es nicht besser. Viele Ärzte geben auf und schließen ihre Praxen, weil sie unterm Strich ein Minus machen.[50] 2005 standen 30.000 der 96.000 Arztpraxen in Deutschland vor der Schließung oder der Insolvenz, wie Unterlagen der Verbände und des statistischen Bundesamtes belegen.[51]

Krass, Karlheinz (2012-07-13). Sklaven ohne Ketten: Die Bürger im Westen vor der nächsten Revolution (German Edition) (Kindle Locations 328-331). . Kindle Edition.

Die Bundesregierung sucht das Heil in der Privatisierung, doch ist das die Lösung? Rund 20% der Krankenhäuser in Deutschland sind mittlerweile in privater Hand, und viele haben 10% der Mitarbeiter entlasen. Etwa 50.000 Stellen sind so in den letzten 10 Jahren gestrichen worden, und die verbleibenden Mitarbeiter mussten radikale Lohnkürzungen um rund 30% und erhebliche Mehrarbeit hinnehmen. Es ist heute nicht mehr ungewöhnlich, dass eine Krankenschwester für bis zu 30 Patienten zuständig ist.

In der Altenpflege brauchen die Pfleger bis zu 50% ihrer Einsatzzeit für die Dokumentation, damit der Medizinische Dienst der Krankenkassen nachprüfen kann, ob nicht zuviel Geld für die Pflege ausgegeben wurde. Im europäischen Vergleich schneidet nach der Studie RN4Cast Deutschland bei der Arbeitsbelastung in der Altenpflege mit 10,3 Patienten pro Pfleger inzwischen am schlechtesten ab, während in Norwegen nur 3,8 Patienten auf einen Pfleger kommen.[48]

Krass, Karlheinz (2012-07-13). Sklaven ohne Ketten: Die Bürger im Westen vor der nächsten Revolution (German Edition) (Kindle Locations 313-320). . Kindle Edition.

Als sich im Januar 2008 deswegen von den 8000 bayerischen Hausärzten 7000 in Nürnberg zu einer Protestveranstaltung versammelten, berichtete praktisch keine große Zeitung darüber, so einmalig dieser Protest in der Ärztegeschichte Deutschlands auch war. Im September 2008 stellten in Berlin neun Kliniken ihre prekäre Situation mit einer Plakataktion dar. Und auch als dann 130.000 Krankenhausmitarbeiter zur größten Protestveranstaltung im Gesundheitssystem in der deutschen Geschichte in Berlin zusammenkamen, nahm die Presse davon nur am Rande Notiz. Im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist ein Aufschwung jedenfalls absolut nicht erkennbar. Eher schon im Gegenteil.

Krass, Karlheinz (2012-07-13). Sklaven ohne Ketten: Die Bürger im Westen vor der nächsten Revolution (German Edition) (Kindle Locations 331-336). . Kindle Edition.

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Übrigens ist dies ein sehr lesenswertes Buch, das ich morgen eingehender besprechen werde. Hier also nur die Zitate, das Krankenhaus-Unwesen betreffend.

Meine Diskussion mit Freunden erbrachte weitere schlimme Aspekte der vormals noch guten ärztlichen Versorgung in den USA. Die gleichen Familien, die früher bereits bekannt wurden als Pharmariesen, Bankster etc., haben jetzt offensichtlich die Krankenhausindustrie übernommen oder arbeiten daran.

Die vormaligen Krankenhausträger (Kirchen, Gemeinden usw.) konnten sich die ausufernden Kosten der Pharmakonzerne nicht mehr leisten und haben ihre überschaubaren – aber dennoch ordentlich geführten – Krankenhäuser privatisiert. Zugleich wurden die zumeist großzügigen Parkanlagen zu günstigen Preisen mitverscherbelt.

Die US-Ärzte, die noch nicht bereit sind, sich den Krankenanstalten zu unterwerfen, dürfen Kranke, Schwangere, lebensgefährlich Verletzte nicht mehr ins Krankenhaus einliefern. Der Patient muss das selber veranlassen. Manchmal über die County-Grenzen hinaus, was auch schon mal zur Entbindung im nächsten County-Krankenhaus in der Hospital-Lobby führen kann.

Die Käufer der kleinen Krankenhäuser sind immer die gleichen sogenannten Eliten, die durch staatliche Bail-Outs aller Art genügend Geld haben, um billigst einzukaufen und ihr satanisches Reich zu vergrößern, das uns alle versklavt.

Der öffentliche Träger ist die Dinger endlich los, die wir alle einst mitfinanziert hatten, und jetzt werden wir erneut und in viel stärkerem Maße zur Kasse gebeten. Kostenexplosion im Gesundheitswesen, nennt man es dann.

In 5 Jahren wird das auch in Deutschland so sein, zu spät, um das Ruder noch herumzureißen.

Es muss endlich ein Ende haben mit dem Ausverkauf der von uns aufgebauten Infrastruktur, nur weil die Politiker nicht sparen wollen und auch sonst nicht mit dem Geld umgehen können. Oder sind sie gar geschmiert worden? Großflughafen Berlin, Stuttgart 21, Tunnelbau in München, usw. Großmannssucht allerorten. Aber darüber mehr in meiner morgigen Buchbesprechnung über die Missstände in der BRD.

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