Eine interessante Studie. Die Übersetzung steht hier im Eintrag.

http://www.jpost.com/Defense/Article.aspx?id=290357

Ein Bericht in der Jerusalem Post befasst sich mit dem theoretischen Kriegsspiel Israels gegen Iran.

Da Amerika nur an der Seite Israels eingreifen würde, falls Iran auf Grund der eigenen Bedrängnis die Straße von Hormuz schließen würde, sieht Israel sich in diesem theoretischen Ansatz zunächst allein gelassen.

Darum analysiert Israel in diesem Kriegsspielszenario eines vorsorglichen Krieges seine Chancen in dem Konflikt.

Meine Einstellung zu „gerechten“ und „ungerechten“ Kriegen habe ich in meinem Blog häufig dargestellt.
Ein „pre-emptive war“ ist meiner Meinung nach immer ungerecht. Und ein unprovozierter Krieg, der auf fremdem Boden ausgetragen wird, ist eine Scheußlichkeit.

Hier der Versuch einer Übersetzung des Artikels:

INSS war game simulates regional conflict scenario of a unilateral Israeli strike without US participation
INSS Kriegsspiel simuliert regionales Konflikt-Szenario eines unilateralen [einseitigen] israelischen Angriffs ohne US-Beteiligung.

Das Institut für nationale Sicherheitsstudien hat kürzlich ein Kriegsspiel abgehalten, in dem Spieler die regionalen Akteure [regionalen Konfliktparteien] repräsentierten und die ersten 48 Stunden nach einem Angriff des IDF [Israel Defense Forces] auf die Islamische Republik [Iran in diesem Fall] simulierten.

Die Simulation basiert auf dem Szenario eines unilateralen israelischen Schlags ohne US-Beteiligung am 9. November nach Mitternacht.

Das Institut der Universität von Tel Aviv begann das Spiel mit folgender” Ankündigung”:

“Al Jazeera berichtet, dass israelische Flugzeuge nukleare Standorte im Iran in drei Angriffswellen angegriffen.

Nach dieser Meldung hat Israel offiziell bekannt gegeben, dass es nukleare Standorte im Iran angegriffen habe, da es keine andere Wahl hatte.”

In diesem Szenario hat der Angriff erfolgreich nukleare Standorte und Irans Atomwaffenprogramm zerstört. Dadurch ist Irans Atomprogramm um drei Jahre verzögert worden.

Als Teil der Übung reagierte Iran mit voller Kraft, und feuerte in 2 Wellen etliche 200 Shihab-Raketen auf Israel ab, und fordert seine Stellvertreter, Hisbollah, Hamas und andere radikalen Organisationen auf, Israel anzugreifen. Iran verzichtet zunächst darauf [in diesem Kriegsspiel-Szenario], US-Ziele in der Golf-Region zu attackieren.

In diesem Spiel versucht Israel, durch einen erfolgreichen Schlag ermutigt, die Attacke zu absorbieren und dann möglichst rasch ein Ende der Feindseligkeiten zu erreichen.

Die internationale Gemeinschaft war wie gelähmt durch Russlands Versuche, die Situation auszunutzen, um seine eigenen strategischen Interessen voranzutreiben.

“Als nach zwei Tagen die Iraner und, in geringerem Maße Irans Verbündete, die kriegerische Auseinandersetzung nicht beendeten, schien die Krise keiner Lösung näher gekommen zu sein.“ Die INSS beschloss das Ende dieses Kriegsspiels.

Innerhalb der ersten 48 Stunden führte Israel einen vierten Luftangriff auf den Iran aus, um die Zerstörung der wichtigsten nuklearen Anlage abzuschließen.

“Israels strategisches Ziel war es, eine regionale Eskalation zu verhindern und war bestrebt, ein Niveau zu erreichen, in denen Zwischenfälle so schnell wie möglich unter Kontrolle gehalten werden konnten bei geringer Intensität“ , sagte der INSS.

Obwohl die USA nicht im Voraus [nicht vergessen: dies alles ist ein Planspiel] informiert wurden, ergriff Washington deutlich die Partei für Israel, um durch diese vereinigte Front die Chancen eines regionalen Flächenbrandes einzuschränken.

Die USA wiesen auf ihren Willen hin, an den Verhandlungstisch mit Iran zurückzukehren und die Sanktionen gegen Iran aufzuheben im Austausch für Irans Zurückhaltung und Erklärung, dass nuklear-militärische Aktivitäten aufgehört hätten.

Die USA hatten sich an den Kampfhandlungen nicht beteiligt, was auf ihrer politischen Haltung beruhte, dass sie nur eingreifen würden, wenn Iran die global wichtige Straße von Hormuz schließen oder US-Interessen/Vermögenswerte in der Golfregion attackieren würden. [Nicht vergessen: dies alles ist ein Planspiel].

Zunächst scheute Teheran eine militärische Konfrontation mit den Vereinigten Staaten, aber die an diesem Spiel Beteiligten meinten, „dass je mehr der Iran in eine Ecke gedrängt und seine Optionen eingeschränkt würden, umso mehr müsse Iran erkennen, dass die grundlegende Handlung gegen die US in der Golfregion die Sperrung der Straße von Hormuz läge“, sagte das INSS (Institut for National Strategic Studies).

Irans Helfer, die Hisbollah im Libanon, befand sich in diesem Spiel in einem Dilemma.

Einerseits stand die Hisbollah unter großem iranischen Druck, große
Mengen von ferngelenkten Flugkörpern und Raketen auf Israel abzufeuern. Teheran [in dieser Spieltheorie] erklärte der Hisbollah, dass dies der Tag des Gerichtes sei – der Grund, warum die Hisbollah die etwa 50.000 Projektile erhalten hatte.

Andererseits fühlte sich die Hisbollah abgeschreckt durch die Furcht, einmal mehr eine ausgedehnte Zerstörung im Libanon zu verursachen.
„Aus diesem Grund kam man (die Hisbollah) Irans Forderung nur teilweise nach und feuerte Raketen und Fernlenkwaffen ausschließlich auf militärische Ziele in Israel, hauptsächlich Flughäfen und aktive Verteidigungssysteme“, sagte die INSS.

„Israels zurückhaltende Antwort verschärfte das Dilemma der Hisbollah und bestärkte sie in der Entscheidung, relativ eingeschränkte Sperrfeuer anzuwenden und sich auf militärische Ziele zu fokussieren“, fügte man hinzu.

Der Spielteilnehmer, der die Hamas darstellte, wählte ebenfalls einen Mittelweg in dem Spiel und zeigte geringe Begeisterung gegenüber den Forderungen des Iran. Er versuchte, Israel keinen Grund für eine große Bodenoffensive im Gaza-Streifen zu bieten.

Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien und die Golfstaaten sowie die Türkei agierten im Rahmen ihrer eigenen Interessen, während sie sich von dem Konflikt distanzierten und eine regionale Ausbreitung zu verhindern suchten.

Alle Spielteilnehmer agierten „sehr rational und vertraten Grundsätze, die ausschließlich ihre eigenen grundlegenden Interessen darstellten, und ignorierten internationale und fremde Zwänge“, bemerkte die INSS.

Der Spieler, der Israel repräsentierte, kam zu dem Ergebnis, dass die israelische Öffentlichkeit in der Lage sei, einen größeren Konflikt zu ertragen, weil die Öffentlichkeit glaubt, dass ein Schlag gegen Iran gerechtfertigt ist, und weil die Ziele einer solchen Operation erreicht wurden.

Der Spieler, der die Islamische Republik [Iran] darstellte, hatte nur begrenztes Rüstzeug verfügbar, mit dem er Israel direkt angreifen könnte. Er hing ganz stark von seinen Helfern [Hamas und Hisbollah] ab.

Teheran verfüge über mehr Rüstzeuge, um gegen die US-Interessen im Golf zu agieren und eine neues Hoch der Ölpreise zu verursachen. Aber es erkannte auch, dass der Preis, die USA in einen solchen Kampf hineinzuziehen, unermesslich hoch sein würde.

Die INSS sagte, dass dieses Spiel früher in diesem Jahr geplant worden sei, und in diesem Herbst die Zeit gekommen schiene, die iranische Nuklear-Frage zu lösen.

„Seitdem haben sich die Dinge ein wenig beruhigt, aber nach den Wahlen, bis zum Frühling hin, wird die Frage einer Attacke wieder auftauchen. Es ist daher lebenswichtig, die möglichen Konsequenzen weiterhin zu begutachten“, fügte sie hinzu.

Innerhalb der INSS gibt es zwei widerstreitende Denkschulen hinsichtlich des Resultates eines israelischen Angriffs auf den Iran. Die eine sieht einen großen regionalen Krieg voraus, der sich über diese Gegend hinaus ausbreiten könnte.
Die andere glaubt, dass das Vorhandensein eindämmender Mechanismen, Irans Möglichkeit, den Mittleren Osten in Brand zu setzen, begrenzt seien.

P. S.  Wie wir erkennen können, ist das Kriegsproblem nicht vom Tisch, sondern bis nach den Präsidentschaftswahlen verschoben.   Wie auffällig das Datum 11/9 ist, muss ich wohl kaum hervorheben.

 

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