Parsifal 2012 Bayreuth – als Kino in Arte , Vorsicht Satire !

 Gestern hörte ich den III. Akt des PARSIFAL aus Bayreuth. Eine ungewöhnliche Inszenierung, einfallsreich und bedenkenswert, aber längst nicht die beste, die ich bisher erlebte.

Das Bühnenbild zu Beginn: Stilisierte Trümmer in Berlin nach WWII, halbwegs gierige Umarmung der Kundry durch Gurnemanz, der in Militäruniform ähnlich wirkte wie die Vergewaltigungsszenen durch die Russen, deren Anblick ich leider mit meinen 6 Jahren ertragen musste.

Vielleicht interpretiere ich Gurnemanz auch nur falsch, aber zum Schluß ist er das Zentrum im Idyll einer Kleinfamilie mit Sohnemann und Kundry.
Das irritiert schon ein bißchen. Geklont war Sohnemann wohl nicht.

Der Held erscheint: Parsifal, der reine Tor. Der ist erwacht aus dem Zustand der Unschuld und will nun die Königskrone haben, nämlich die des Amfortas bzw. seines Vaters Titurel. Amfortas wirkt wie ein armseliger Supermanager, der ziemlich heruntergekommen scheint. Vielleicht vergleichbar mit einem Bankster?

Parsifal, der Held tritt auf, strahlend ist anders. Aber immerhin strahlt der Speer, der die Wunde Amfortas’ heilen soll.

Endlich kann auch die Stärkung durch den Gral erfolgen, der die kurz vor der Verendung stehenden Ritterscharen wieder aufrichten soll.

Wie wunderbar ist jetzt das Bühnenbild: Der Plenarsaal des deutschen Bundestages mit seinen durch Drogen aktivierten Rittern.

Wie die aussehen, wissen wir ja wohl:

Offene Hände, um den Segen der Rüstungs-, Pharma-, Agrarindustrie zu erhalten gegen kleine Vergesslichkeiten, z. B. bei der Kennzeichnungspflicht geklonten Fleisches, genmanipulierter Feldfrüchte, verdreckten Impfstoffen, gefährlichen Psychopharmaka, Nichtratifizierung der Gesetze zur Korruptionsbekämpfung, Verkauf von Rüstungsgütern in Krisengebiete, obwohl durch GG verboten, Einsatz unserer armen Soldaten auf fremdem Boden, etc.

Ich muss zugeben, das war ein starker Moment der Oper. Die freigesetzten Assoziationen zum Bühnenbild und Inhalt der Schlußszene: Waltet Eures Amtes
– Tja, aber wie, fragt man sich da.

Aber dann kommt Rat: Sei heil, entsündigt und gesühnt ! Denn ich verwalte nun dein Amt.

Höchsten Heiles Wunder: Erlösung dem Erlöser! – So endet die Oper, das Publikum war wie berauscht, der Beifall war groß. Da stimme ich Adorno zu mit seinem Urteil in den Musiktheorien. Das Publikum feiert mit seinen Ovationen in erster Linie sich selber.

Ob die jetzt im Bundestag nach dem Erlöser suchen? Es bieten sich viele an: Claudia Roth im Sinne von Monti, Draghi (Plural von Drachen), Dosenpfand-Trittin und natürlich unsere beliebte Mutter der Nation, die es wieder gewinnen wird. Noch wehrt sie sich verschämt gegen Draghi und Monti, aber wie lange noch?

Ich fürchte mich vor dem “Walte Eures Amtes”. Das wird teuer.

Also: Heil dem Erlöser ! Schauen wir mal, wer das sein wird.

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